Ein Eintrag, den ich schon länger mal machen wollte.. und nun hab ich endlich ein wenig Zeit gefunden!
Ich will im Folgenden versuchen, das Chinesische etwas zu erklären; warum es schwierig oder eben eigentlich ganz eifach ist; wieso auch chinesische Handys mit 12 und nicht 1000 Tasten auskommen; warum es nicht “das” Chinesische gibt; etc…
Chinesische Schrift
Ich beginne mal mit der Schrift. Ursprünglich wurden einfache Piktogramme/Zeichen auf Knochen, Holz und Ähnliches gezeichnet, um etwas auch ohne Worte überliefern zu können. Da wurde einfach für alles, was man beschreiben wollte, ein anderes Zeichen genommen. Und das entwickelte sich so weiter, es kamen immer mehr Zeichen hinzu, der Wortschatz wurde immer abstrakter. Im Gegensatz zum Deutschen, Englischen, Französischen etc. wurde also kein System eingeführt, das die Aussprache widergibt, sondern man blieb grundsätzlich bei den Piktogrammen.
Da liegt ein Vor-, aber auch wesentlicher Nachteil: In ganz China werden dieselben Zeichen verwendet, über 1 Milliarde Menschen können absolut problemlos kommunizieren, indem sie etwas aufschreiben. Und der wesentliche Nachteil: es gibt einfach zuviele Zeichen. Zum Grundwortschatz gehören einige Tausend, insgesamt gibt es aber viel mehr.. Das bedeutet, man muss immer und immer wieder neue Zeichen lernen. Ein Text in einem bestimmten Fachgebiet kann dann durchaus viele Zeichen enthalten, die man gar nicht kennt, wenn man sich nicht ohnehin bereits mal mit diesem Fachgebiet beschäftigt hat.
Aber es ist glücklicherweise nicht so, dass jedes Zeichen völlig einzigartig ist: chinesische Zeichen bestehen aus verschiedenen Elementen, die auch in anderen Zeichen vorkommen (können). Für Wörterbücher wurden die sogenannten Radikale eingeführt. Das sind rund 200 Symbole resp. Teilsymbole, wobei jedes chinesische Zeichen einen solchen Radikal hat. Will man also ein Zeichen im Wörterbuch nachschauen, bestimmt man erst den Radikal (was mitunter sehr schwierig sein kann..) und findet danach die Zeichen geordnet nach Strichanzahl. Etwas bequemer geht das heutzutage im Internet oder mit entsprechender Software: man zeichnet das Zeichen und die Software übernimmt den Rest. Gottseidank, sonst würd ich verzweifeln
Die Symbole für viele grundsätzliche Dinge, also Dinge, die schon vor tausenden Jahren eine grundlegende Bedeutung gehabt haben, können relativ leicht geschrieben werden; Sonne, Wald, Reis, über/unter, alle Zahlen etc. haben nur wenige Striche. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde von China eine Schriftreform durchgeführt, um bei vielen Zeichen die Anzahl Striche zu reduzieren. Das sollte ein schnelleres Schreiben ermöglichen. Was es auch tatsächlich tut. Nur: die Schriftreform beschränkt sich auf Festland China. Taiwan, Hong Kong und auch Japan, die ebenfalls teilweise chinesische Zeichen benützen, bleiben bei den alten, sog. traditionellen Zeichen. So haben hier viele Musikvideos beispielsweise traditionelle Zeichen (Musikvideos laufen immer mit dem Text ab), weil viele Musiker aus Hong Kong kommen. Immerhin ist es nicht so ein Problem, die traditionellen Zeichen zu lesen, wenn man das entsprechende vereinfachte Symbol kennt. Die einzelnen Elemente wurden meistens auf die gleiche Art und Weise vereinfacht.
Als Leute aus dem Westen nach China kamen, gab es Bestrebungen, die Aussprache mit dem lateinischen Alphabet umschreiben zu können. Durchgesetzt hat sich letztendlich das sogenannte Pinyin für Mandarin (siehe übernächster Abschnitt). Das ermöglicht jedes Zeichen im lateinischen Alphabet mit der Aussprache, d.h. dem Tonfall, angeben zu können. Allerdings ist das System nicht eindeutig, es gibt viele Zeichen, die die gleiche Aussprache haben – aber im Pinyin wird alles gleich geschrieben.
Fürs Lernen von Mandarin ist Pinyin eigentlich unabdingbar – man kann sich die Aussprache wesentlich besser merken. Für die Chinesen bringt das Pinyin den Vorteil, Tastaturen benützen zu können – man gibt am Computer, Handy, etc. einfach das Zeichen in Pinyin ein. Wenn es mehrere Zeichen mit der Aussprache gibt, muss man das richtige auswählen, wobei die heutige Software ganz intelligent ist und aus dem Kontext resp. aus der Wortkombination das richtige Zeichen bestimmt. Zudem kann man mit Pinyin die Aussprache überhaupt angeben – wenn man ein neues Zeichen sieht, hat man sonst keine Ahnung, wie man das auszusprechen hat (es gibt teilweise Elemente in den Zeichen, die die Aussprache angeben, aber lange nicht bei allen). Die Chinesen können grundsätzlich die Zeichen also auch in Pinyin schreiben – aber oftmals mehr schlecht als recht.
Chinesische Sprache
Die chinesische Sprache gibt es eigentlich nicht. China ist viel zu gross, als dass sich überall die gleiche Sprache resp. Aussprache entwickelt hat. Die chinesische Sprache umfasst grundsätzlich verschiedene Dialekte: Peking-, Guangdong- (Kanton)-, Sichuan-, Yunnan-, Wuxi-, …-Dialekt, und noch viele mehr. Die regionalen Ausprägungen können unter Umständen sehr stark sein, man sagt, dass man teilweise nur ein Dorf weitergehen muss und man versteht sich schon kaum mehr.
Im zentralistischen China allerdings müssen alle in der Schule einen Dialekt lernen: das sogenannte Mandarin resp. Hochchinesisch. Das Mandarin kommt dem Peking-Dialekt sehr nahe (was auch sonst, ist ja der Regierungssitz in Peking..) So können sich also trotz den unterschiedlichen Dialekten fast alle Chinesen ganz gut miteinander verständigen. Mandarin lässt sich gewissermassen mit dem Hochdeutschen vergleichen: Hochdeutsch wird kaum irgendwo in der Reinform gesprochen, es gibt stets mehr oder weniger starke Dialekte. Und es ermöglicht eine problemlose Kommunikation; von Norddeutschland über die Schweiz bis Österreich.
Ich hatte mir anfangs mal überlegt, Kantonesisch noch etwas zu lernen, wenn das schon die eigentliche Sprache hier ist. Aber bei der Arbeit kommen die Leute sowieso von überall her und Geschäftssprache ist darum also Mandarin. Zudem ist das Kantonesische noch etwas schwieriger als Mandarin – und ich hab mit dem Mandarin schon genug Mühe
Mandarin ist eine Silbensprache, jedes Zeichen hat erst einen Konsonanten gefolgt von 1-3 Vokalen und evtl. einem Endkonsonant. Zudem gibt es 4 (+1 neutraler) verschiedene Tonfälle (direkt moderat, im Vergleich zu den rund 9 Tonfällen im Kantonesischen..). Es gibt somit nur ein paar wenige Hundert verwendete Silben (was wirklich nicht viel ist, wenn man bedenkt, dass jedes Wort im Deutschen anders ausschaut), jede Silbe zusätzlich noch in einem der 4 (resp. 5) Töne..
Schwierig? Oder doch ganz einfach?
Die Grammatik im Mandarin ist eigentlich relativ einfach. Die Sätze werden immer in etwa gleich aufgebaut. Die einzelnen Angaben stehen immer an einer klar definierten Stelle, zweigteilte Verben gibt es nicht, Inversion bei Fragen gibt es nicht. Man braucht das Verb nie anzupassen, es gibt selten eine Mehrzahlform, kein maskulin/feminin/sächlich, keine Fälle.. kurz: ein Wort verändert sich eigentlich nie! Also ganz einfach, das Chinesische?
Die Aussprache und die Wörter sind es, was Mandarin trotzdem so schwierig macht: Auch wenn man sich schnell mal an die verschiedenen Tonfälle beim Sprechen gewöhnt hat (so schwierig ist es wirklich nicht), ist die Aussprache so komplett verschieden. Das macht es enorm schwierig und anstrengend, Leute zu verstehen. Entsprechend lange dauert es, bis man ein Wort wirklich kann und auch problemlos benutzen kann. Hinzu kommt, dass der Wortschatz schwierig ist. Ich hab den Eindruck, es gibt nur Ausnahmen..
Ich hoffe, mit diesen paar Ausführungen einige Fragen geklärt zu haben. Und nun soll niemand auf die Idee kommen, mich je (wieder) zu fragen, wie gross chinesische Handy-Tastaturen sind..
Hey Schmärchen:-)spannende und witzige Bricht aber sehr sehr kompliziert mit dem chinesisch!
Chilbigruess moni
*hehe* na soo kompliziert isch es eigentli nöd, mer mues sich nur druf ilah..
ach, i het jetzt eigentli lust uf magebrot
Hrmm… Zu den Zeichen ist meine Meinung ja bekannt: Im Gegensatz zu Korea und Japan hat es China nicht geschafft von den Höhlenmalereien wegzukommen
– Es funktioniert zwar scheinbar relativ gut, China wäre jedoch Weltmächtiger, wenn sie ein internationaleres Schriftsystem hätten. Eine Gefahr für’s Land wäre jedoch, die Befreiung der Unterschicht wenn diese sich Problemlos in der Welt unterhalten könnte (Wie dies ja in Korea geschah)
Die Sprache an sich finde ich jedoch einiges besser und strukturierter als zum Beispiel Japanisch. Es ist zwar so, dass es keine dieser Tonunterschiede (ausser seltsamer Betonung) gibt, jedoch werden gleiche Zeichen je nach Kontext bis zu dreimal verschieden ausgesprochen.
Trotz allem: Phonetische und mehrsilbige Sprachen sind und bleiben das einzig wahre
- Danke für die Aufklärung!
greeez pf
Tatsächlich interessante Frage, was wohl wäre, hätten die Chinesen auch ein phonetisches System..
In Taiwan wird ebenfalls Chinesisch (Mandarin) gesprochen (nebst Taiwanesisch, was jedoch auch mit chinesischen Zeichen geschrieben wird). Nach dem 2. Weltkrieg hat sich Taiwan sehr schnell vom billigen Produktions- und Export-Land zu einem hochentwickelten Land entwickelt mit starker Wirtschaft. Er galt damals als einer der 4 asiatischen Tigerstaaten. Heute geht man entsprechend nicht mehr nach Taiwan um zu produzieren, vielmehr wird dort auf Entwicklung gesetzt (etwas salopp formuliert).
Und das alles trotz dem Schriftsystem.. Ob es also China besser gehen würde ohne den chinesischen Zeichen ist meiner Meinung nach etwas fragwürdig. Da spielt wohl das Denken des Einzelnen eine stärkere Rolle (und das wurde in China bekanntlich massgeblich durch die Politik geformt)..
lgm
[...] auf diese Frage einmal ein bisschen einzugehen. Wen dasselbe auf Chinesisch interessiert, dem sei Hier bei SchMar geholfen. Japanisch an sich ist eigentlich keine besonders schwere Sprache. Die Grammatik ist – [...]