Nun ging’s das erste Mal für ein paar Tage weg von Guangzhou. Wegen der momentan mühsamen Visa-Politik der chinesischen Regierung musste ich nach Hong Kong reisen, um dort ein neues Visum zu beantragen – was mir zumindest einen angenehmen 4-Tage Aufenthalt in dieser Weltmetropole ermöglichte..
Hong Kong, der chinesische Namen ist Xiang Gang, was soviel wie wohlriechender, duftender Hafen bedeutet. Ich konnte die Bedeutung allerdings nicht direkt nachvollziehen
Geschichtlicher Hintergrund
Bevor Europäer in diese Region vordrangen, lebte Hong Kong vor allem von der Fischerei, Salzproduktion und ähnlichen Geschäften. Anfang des 16. Jahrhunderts kamen als erstes die Portugiesen nach Hong Kong, knapp 200 Jahre später dann die Briten. Es wurde fleissig Handel betrieben, war man doch im Westen an chinesischen Produkten sehr interessiert. Allerdings wurde der Handel mehr und mehr eingeschränkt von den Chinesen, nur noch an ausgewählten Orten und quasi in Ghettos war das Handeln möglich. Die Chinesen waren von den europäischen Produkten auch nicht sehr angetan, ganz im Gegensatz zu den Europäern, die chinesische Waren sehr schätzen – vor allem Gewürze, Seide und Tee erfreuten sich grosser Beliebtheit… Die Chinesen akzeptierten fast nur Silber als Zahlungsmittel, was in Europa allerdings zu Problemen führte, der Silberabfluss erreichte ein beträchtliches Mass.
Da kam das Opium ins Spiel. Ursprünglich in China nur für medizinische Zwecke verwendet, wurde es nun im grossen Stil importiert. Das Silber floss wieder zurück in britische Hände, was die chinesischen Herrscher natürlich nicht goutierten. Zwar wurde der Handel mit Opium schliesslich verboten, aber es liessen sich gute Geschäfte machen mit der illegalen Einfuhr von Opium. Nach drastischen Massnahmen chinesischer Seite – die Staatskassen waren quasi leer und es gab über 2 Millionen Opium-Süchtige – kam es schliesslich Mitte des 19. Jahrhunderts zur Besetzung Hong Kongs durch die Briten.
Die Stadt florierte anschliessend, die Bevölkerung wuchs auf 1,6 Millionen im Jahr 1941 an. Als allerdings Hong Kong während des 2. Weltkrieges von Japan angegriffen wurde, flüchtete ein grosser Teil aufs Festland, oder wurden von den Japanern vertrieben – zurück blieb ein armseliger Flecken Land. Das kehrte sich schnell wieder, als nach den Atombomben Japan resignierte. Die Leute strömten regelrecht zurück nach Hong Kong, entweder weil da ihre Vergangenheit war, oder um aus dem kommunistischen China zu flüchten, das Mitte der 50er Jahre in enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problem steckte. Es begann wieder ein enormer Anstieg der Bevölkerung auf die rund 7 Mio. Einwohnern, die Hong Kong heute hat.
1997 schliesslich wurde die britische Kolonie der Volksrepublik China übergeben, die seitdem als Sonderverwaltungszone regiert wird.
Was mit diesem kleinen Geschichtsausflug gezeigt werden sollte: Während der wichtigsten Zeit Hong Kongs, d.h. als die Stadt, wie sie heute existiert, aufgebaut wurde, stand sie unter britischer Herrschaft.
Hong Kong ist denn auch nicht sehr chinesisch. Im Vergleich dazu ist selbst die Millionenstadt Guangzhou quasi eine Provinzmetropole. Kommt man nach HK, werden die Sonnenbrillen grösser, die Frisuren extravaganter und farbiger, die Rolltreppen in der U-Bahn schneller. Die Leute kleben teilweise förmlich an den Handys.. Man findet alle möglichen Richtungen an Esswaren – vom traditionell chinesischen über vietnamesisch, indisch bis zu Fast-Food Ketten. Aber unverkennbar ist der britische Einfluss. Fish & Chips lässt sich noch in einigen alten Kneipen finden und zum Frühstück war Ei, Schinken und Steak vielerorts erhältlich.
Sehr beeindruckend ist die unglaubliche Masse an Leuten. Zur Rush-Hour in die Metro ist ein Erlebnis, da befindet man sich in einem Strom von Menschen. Am Samstag fand eine Spielemesse statt in einem Hochhaus. Die Menschenmasse, die sich da reinbewegt hat, hält man für kaum möglich. Ich war selber nicht drin, hab mir nur die nicht aufhörende Schlange angeschaut, die jedoch nicht still stand, sondern sich im Schritttempo in das Hochhaus bewegte. Drinnen konnte man sich wahrscheinlich gar nicht mehr bewegen..
Die Stadt bietet an einigen Punkten traumhaft schöne Ausblicke, besonders abends ist die hellerleuchtete Stadt atemberaubend.
Religionen in Hong Kong
Die Vielfalt der Religionen ist sehr gross in HK. Die Chinesen sind grösstenteils Buddhisten oder Konfuzianisten. Auch Taoismus ist verbreitet. Ich hab auf Hong Kong Island den Man Mo Tempel besucht, der den Göttern Man (Gott der Literatur) und Mo (Gott der Kampfkunst) gewidmet ist.
Durch die Briten kam natürlich das Christentum mit nach Hong Kong. Leider stehen die kleinen Kirchen mitten zwischen Hochhäusern eingeklemmt und bieten keinen schönen Anblick mehr.
In Hong Kong sind zudem viele Filipinos und Indonesier zu finden, die vor allem im Kleidergeschäft als Schneider tätig sind oder sonst Waren verkaufen (Hello Sir, Hello Sir! You want a nice suit? Very good quality, oder auch Hello Sir, you want to buy a copy watch? Very cheap! Just look, not buy.. ich fing ja an, einen Bogen um all diese mühsamen Händler zu machen, aber man entging ihnen einfach nicht..) Entsprechend ist mitten in Kowloon, ein alter Teil Hong Kongs, eine Moschee zu finden.
Nationalfeiertag
Ja, was macht man denn als Ausländer am 1. August? Ich hab mich dafür mal umgeschaut und ein Schweizer Restaurant entdeckt, mitten zwischen den Hochhäusern eine kleine, gemütliche Beiz, das sogenannte Swiss Chalet.
Da gibt es denn auch alles, was man sich in der Schweiz gewöhnt ist. Raclett, Fondue, St.Galler Bratwurst, Rösti… und passend dazu die Getränke, Rivella, Feldschlösschen, Quöllfrisch Bier, Möhl-Most, Walliser Fendant, Kafi Schnapps… Für mich gab’s dann ein leckeres Vacherin-Fondue
Ganz spannend, wie einem erst im Ausland bewusst wird, wie viele lokale Produkte man schätzt und sich dessen gar nicht bewusst ist.
Modernes Hong Kong – Traditionelles Hong Kong
So international Hong Kong auch ist, die schönen traditionellen Seiten kann man in verschiedenen Bereichen entdecken. Wunderbare Antiquitätenläden findet man beispielsweise in einem Ecken der Stadt, aber leider sprengten diese meine finanziellen Möglichkeiten.. Ab und an fährt wiedermal eine Dschunke im Hafen, oder im Tsim Sha Tsui Park werden Drachentänze aufgeführt.
Einen sehr spannenden Ausflug in eine quasi andere Welt, wie ich sie noch gar nicht kannte, habe ich in diesen Tagen erlebt. Ich freu mich bereits auf die nächste Entdeckungsreise nach Hong Kong..










WOW
du gasch ja under d’schriftsteller
nei, find ächt grandios was du da so schribsch, vor allem au das gschichtliche züg macht viel meh spass zum läse wänn mer das gad so vo dir präsentiert überchunt…
merci!